Jannis ist vier Jahre alt und hochsensibel. Er liebt es, zu Hause zu sein. Raus in den Garten geht er nicht gerne. Seine Sonnenbrille ist sein ständiger Begleiter. Beim Fahrradfahren fühlt er sich unsicher und Bälle fangen und werfen ist eine Herausforderung für ihn.

Jannis ist neben seiner Hochsensibilität auch außerordentlich lichtempfindlich. Seine Augen sind tagsüber meist stark zusammengekniffen. Ein lichtabschirmendes Käppi trägt er selbst in der Wohnung gern. Durch einen Zufall erfahren die Eltern vom Irlen-Syndrom, vereinbaren einen Termin und Jannis bekommt kurz darauf eine spezielle, farbig getönte Brille.

Jannis trägt die Brille ganz selbstverständlich. Die störenden Lichtfrequenzen werden herausgefiltert. Er geht jetzt viel lieber nach draußen – das Sonnenlicht empfindet er jetzt meist nicht mehr als störend. Beim Fahrradfahren und Ballspielen gibt es keine Schwierigkeiten mehr, denn die visuelle Wahrnehmung wird durch das Licht nicht mehr verzerrt.

Insgesamt ist Jannis ruhiger geworden, weniger schnell überreizt und er kann andere Sinneseindrücke, wie bspw. laute Geräusche, besser ertragen.

 

Mit 21 Jahren erfährt Malte (hochsensibel und sehr lichtempfindlich), dass er vom Irlen-Syndrom betroffen ist. Sein gesamtes bisheriges Leben hat er unter Licht gelitten. Das Neonlicht in der Schule war eine Tortur für ihn und Sonnenlicht nur mit Sonnenbrille halbwegs zu ertragen. In seinem Zimmer gab es stets nur schummriges Licht.

Nachdem das Irlen-Syndrom diagnostiziert wurde und Malte eine farbig getönte Brille bekam, veränderte sich sein Leben. Es wurde klar, welche Auswirkungen das Licht nicht nur auf sein Wohlbefinden hatte. Die störenden Lichtfrequenzen schienen seine Wahrnehmung verzerrt zu haben. Da jeder Mensch nur seine eigene Wahrnehmung kennt, stellte auch Malte diese nicht in Frage.

Mit der Irlen-Brille bleiben Buchstaben plötzlich stehen. Malte kann länger als ein paar Minuten lesen. Er erfasst Inhalte nun deutlich leichter und fängt an Bücher zu lesen. Für ihn war es immer ein Rätsel, warum seine Eltern und Geschwister Bücher nur so verschlangen. Er zweifelte an seiner Intelligenz. Nach ein paar Minuten des Lesens begann sich der Text in einen Strudel von Buchstaben zu verwandeln, einzelne Wörter nicht mehr klar erkennbar. Die Folge war, dass Malte bei Hausaufgaben stets die Bücher in die Ecke warf, weinte und wütend aus dem Zimmer rannte. Dennoch schaffte Malte das Abitur – die Eltern lasen ihm wichtige Texte vor und unterstützten ihn wo es nur ging.

Durch die Irlen-Brille kann Malte während seines Studiums nun gleichzeitig Schreiben und der Vorlesung folgen. Er schafft es, die Fachliteratur zu bewältigen und liest auch privat dicke Bücher. Motorisch fühlt er sich in vielen Belangen sicherer und die Welt bewegt sich nicht mehr ohne Unterlass. Ein Segen!

Das Irlen-Syndrom

Beim Irlen-Syndrom handelt es sich um eine hohe Lichtempfindlichkeit und oft auch eine visuelle Wahrnehmungsstörung. Es besteht eine Überempfindlichkeit gegenüber einer oder mehrerer Frequenzen des Lichtspektrums. Etwa 10-12 % der Bevölkerung sind vom Irlen-Syndrom betroffen. Entdeckt wurde es 1981 von der amerikanischen Pädagogin und Psychologin Helen Irlen.

Durch farbige Folien, die auf eine Buchseite gelegt werden oder individuell ermittelte farbige Brillengläser, werden die störenden Frequenzen herausgefiltert. Die Betroffenen nehmen Licht nicht mehr als störend wahr und die Wahrnehmung wird entzerrt. Dass die Welt bisher verzerrt wahrgenommen wurde, wird den Betroffenen oft erst nach dem Tragen der Brille bewusst.


Folgen dieser hohen Lichtempfindlichkeit können…

  • Kopfschmerzen und Migräne,
  • Konzentrationsprobleme,
  • Erschöpfung,
  • Überreizung,
  • Übelkeit,
  • Augenschmerzen,
  • ein schwaches Lese-Sinn-Verständnis,
  • Schwierigkeiten beim Lesen lernen,
  • schwaches räumliches Sehen,
  • Schwierigkeiten einen Ball zu fangen,
  • Schwierigkeiten beim Einparken,
  • usw.

... sein.

Hochsensibilität und das Irlen-Syndrom

Aus eigenen familiären Erfahrungen und durch meine Tätigkeit als Irlen-Screenerin weiß ich, dass das Irlen-Syndrom auch bei hochsensiblen Menschen vorkommt. Deutlich ist, dass das Tragen einer Irlen-Brille vielen lichtempfindlichen Hochsensiblen eine große Reizentlastung und damit ein gesteigertes Wohlbefinden bietet.

Das Irlen-Syndrom ist in Deutschland noch relativ unbekannt und deshalb eine selten gestellte Diagnose. U.a. in den USA, UK und Australien ist es wesentlich bekannter und hat dort auch ins Gesundheitssystem regulär Einzug gehalten.

 

Wer kann das Irlen-Syndrom diagnostizieren?

In Deutschland gibt es einige so genannte "Irlen-Screener*innen", die mithilfe eines speziellen Testverfahrens herausfinden, ob das Irlen-Syndrom vorliegt. Im Screening werden außerdem farbige Lesefolien ermittelt, die eine Entlastung beim Lesen bringen.

Das Austesten der Brillengläser wird von "Irlen-Diagnostiker*innen" durchgeführt. Steht durch ein Screening fest, dass das Irlen-Syndrom vorliegt, so wird in einem mehrstündigen Termin die passende Farbe für die Brillengläser ermittelt.

Die Gläser werden in den USA eingefärbt und in Deutschland in das eigene Brillengestell eingefasst. Die Farbe sollte alle sechs Monate erneut überprüft und ggf. angepasst werden.

 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Leider nein. Ein Irlen-Screening kostet bundesweit 95 €. Die Kosten müssen privat getragen werden.

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Gerne schicke ich dir kostenlos per E-Mail einen Fragebogen zu. Beobachte dich, oder wenn es um dein Kind geht, beobachte dein Kind einige Zeit, fülle den Fragebogen aus und schicke ihn mir zu. Ich berate dich, ob ein Screening für dich oder dein Kind sinnvoll ist. Über das Kontaktformular kannst du den Fragebogen anfordern.

Hier kannst du einen Termin für ein Irlen-Screening vereinbaren.