Bela ist vier Jahre alt und hochsensibel. Er möchte die Welt schon in seinen jungen Jahren ganz genau verstehen. Sachbücher zu vielerlei Themen begeistern und fesseln ihn über Wochen. Die neuen Informationen vernetzt er ganz selbstverständlich mit schon bekanntem Wissen. Märchen oder Geschichten für Kinder, in denen Menschen oder Tiere leiden, kann er nicht ertragen. Den Kindergarten besucht Bela im Sommer lieber als im Winter, denn im Sommer wird die meiste Zeit im großen Garten verbracht – hier ist es nicht so laut, es gibt weniger Streitereien und kein künstliches Licht. Beim Spazieren gehen hat er ein besonderes Auge für die Natur – kleine Blüten locken ebenso seine Aufmerksamkeit, wie eine Amsel, die gerade ihr Nest baut. Kleinste Veränderungen in seinem Umfeld fallen ihm sofort ins Auge: „Mami, wo ist denn die Blume, die dort gestern noch stand?“. Das Waschen und Eincremen der Haut ist für Bela eine Tortur. Die Kleidung muss der hohen Sensibilität seiner Haut genau angepasst sein: der Hosenbund muss weich sein, die Socken dürfen keine Falten werfen, das Unterhemd darf nicht in die Hose gesteckt werden, die Ärmel des Pullovers dürfen nicht länger sein als die der Jacke usw. Ist Bela überreizt, unterzuckert oder müde, so reagiert er aggressiv.

Hochsensibilität ist eine genetische Veranlagung und es gibt sie demnach auch bei Kindern. Etwa jedes fünfte Kind zählt zu den Feinfühligen. Es nimmt die Welt detailliert und intensiv wahr, ist meist besonders empathisch, ruhebedürftig und kreativ.

Kein hochsensibles Kind gleicht dem anderen! Es gibt introvertierte und extrovertierte Kinder, sowie Kinder, die ihre Gefühle eher verbergen und andere, die sie offen zeigen und ausleben. Doch wie lässt sich feststellen, ob ein Kind hochsensibel ist? Hierzu gibt es noch keine eindeutige Diagnostik. Helfen kann aber ein Fragebogen.

 

Du möchtest herausfinden, ob dein Kind hochsensibel ist?

Lies dir die folgenden Aussagen durch und beobachte dein Kind genau. Kannst du 13 oder mehr Aussagen zustimmen, so ist es sehr wahrscheinlich, dass dein Kind hochsensibel ist. Passen nur sehr wenige Aussagen zu deinem Kind, du findest diese aber ausgesprochen passend und sagst laut Ja, so kann auch dies ein Hinweis auf eine besondere Feinfühligkeit deines Kindes sein.

Mein Kind …

  • erschrickt leicht
  • hat eine empfindliche Haut, verträgt keine kratzenden Stoffe, keine Nähte in Socken oder Etiketten in T-Shirts
  • mag keine Überraschungen
  • profitiert beim Lernen eher durch sanfte Belehrung als harte Bestrafung
  • scheint meine Gedanken lesen zu können
  • hat einen für sein Alter ungewöhnlich gehobenen Wortschatz
  • ist geruchsempfindlich, sogar bei sehr schwachen Gerüchen
  • hat einen klugen Sinn für Humor
  • scheint sehr einfühlsam zu sein
  • kann nach einem aufregenden Tag schlecht einschlafen
  • kommt schlecht mit großen Veränderungen klar
  • findet nasse oder schmutzige Kleidung unangenehm
  • stellt viele Fragen
  • ist ein Perfektionist
  • bemerkt, wenn andere unglücklich sind
  • bevorzugt leise Spiele
  • stellt tiefgründige Fragen, die nachdenklich stimmen
  • ist sehr schmerzempfindlich
  • ist lärmempfindlich
  • registriert Details (Veränderungen in der Einrichtung oder im Erscheinungsbild eines Menschen etc.)
  • denkt über mögliche Gefahren nach, bevor es ein Risiko eingeht
  • erzielt die beste Lösung, wenn keine Fremden dabei sind
  • hat ein intensives Gefühlsleben

Dieser Fragebogen stammt aus dem Buch „Das hochsensible Kind“ von Elaine Aron.

 

Du hast schon seit längerem die Vermutung, dass dein Kind hochsensibel sein könnte und der Fragebogen hat deine Annahme bestärkt?

Herzlichen Glückwunsch! Ein feinfühliges Kind kann eine große Bereicherung für dein/euer Leben sein!

 

Was braucht ein hochsensibles Kind?

Ein feinfühliges Kind braucht vor allem Bezugspersonen, die es sehen und seine Bedürfnisse ernst nehmen. Drückt der Schuh, kratzt der Pullover, ist die U-Bahn zu laut oder das Licht zu grell? Kinder denken sich diese Empfindsamkeiten nicht aus. Als Erwachsene können wir gut für uns selbst sorgen, die Gardine zuziehen, wenn das Licht blendet, Musik hören, wenn die U-Bahn zu laut ist o.ä. Kinder sind jedoch auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen. Bemerkungen wie: „Stell dich nicht so an, es ist ja gleich vorbei!", oder „Sei doch nicht so empfindlich.", führen dazu, dass sie sich nicht gesehen und irgendwie nicht „richtig" fühlen. Die Kinder verlernen so ihrer Wahrnehmung zu trauen. Wir sollten uns bewusst machen, dass jeder Mensch die Welt individuell wahrnimmt und erfährt - so auch hochsensible Kinder.

Durch die neurologische Besonderheit ist ein feinfühliges Kind wahrnehmungsbegabt. Die Aufnahme  unzähliger Reize führt dazu, dass hochsensible Kinder oft sehr kreativ, wissbegierig und empathisch sind. Was auch immer die Begabung deines Kindes ist, nimm sie wahr und erfreue dich daran. Auch diese Seiten gehören zu einer Hochsensibilität dazu und wollen neben den evtl. für die Eltern anstrengenden Verhaltensweisen gesehen werden.

Das Nervensystem eines hochsensiblen Menschen arbeitet anders als das Normalsensibler. Während ein normalsensibler Mensch unwichtige Reize herausfiltern kann, gelingt dies einem hochsensiblen Menschen nicht, oder nur in geringem Maße. Wichtige und unwichtige Reize gelangen gleichermaßen ins System und müssen verarbeitet werden. Es gibt aber nicht nur ein Mehr an Reizen, die Reize werden auch intensiver verarbeitet, was insgesamt dazu führt, dass hochsensible Kinder mehr Pausen, Schlaf und Rückzugsmöglichkeiten brauchen. Kann das Kind nicht zur Ruhe kommen, weil bspw. vielfältige Aktivitäten geplant sind, kann es durch eine Überreizung zu starken und sehr plötzlichen „Gefühlsausbrüchen“ kommen.

Da feinfühlige Kinder schnell unterzuckern, ist es auch wichtig, dass Eltern darauf achten, dass ihre Kinder sehr regelmäßig etwas essen. Alle zwei Stunden das Bedürfnis nach einer Mahlzeit, einer Zwischenmahlzeit, oder einem Snack zu haben, kann bei hochsensiblen Kindern normal sein.

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Weiterhin gibt es eine Reihe an Büchern, die sich mit dem Thema beschäftigen.