Wie ist es bei dir? Hast du dich mit deiner Feinfühligkeit oder der deines Kindes angefreundet? Kannst du sie als einen schönen Teil deiner Selbst/deines Kindes annehmen? Hast du schon herausgefunden, auf welche Art und Weise deine Feinfühligkeit dein Leben oder das deines Kindes bereichert und welche Gaben sie dir oder deinem Kind bereitstellt?

Bei mir hat es ein paar Jahre gedauert, bis ich die positiven Seiten meiner Hochsensibilität entdeckt habe. Und auch, bis mir bewusst wurde, welche Talente sich durch meine Hochsensibilität für mich ergeben. Kürzlich habe ich irgendwo etwa folgende Frage gelesen: Würdest du deine Hochsensibilität gerne abgeben und von nun an normalsensibel sein? Ich war überrascht, wie schnell und intensiv ich dachte: Nein!! Ein Leben ohne meine feine Wahrnehmung? Für mich mittlerweile unvorstellbar! Dann würde ich durch den Park laufen und nicht von Glücksgefühlen überflutet werden, wenn ich das zarte Grün der sprießenden Blätter oder kleinste Blüten im Detail wahrnehme und mir würde das Glitzern des Sees oder der Blick durch das Blätterwerk in den Himmel keine Gänsehaut mehr bereiten. Ich würde meine erfüllende Arbeit als Coach für Hochsensible nicht mehr machen können oder ganz sicher nicht mehr so gut. Denn ich würde mein Gegenüber nicht mehr spüren, wie ich es jetzt tue, meine Intuition, die mir den Weg weist, wäre womöglich nicht mehr da. Wo wäre ich dann? Was würde ich arbeiten? Was bringt mir dann solch intensive Glücksgefühle?

Ja schön und gut, aber was ist mit der dauerhaften Überreizung, die man als feinfühliger Mensch den ganzen Tag lang erfährt?

Ich habe mich angenommen wie ich bin. Ich brauche eben viele Pausen am Tag und ich muss immer wieder in mich hineinhorchen, ob diese und jene Aktivität mir Kraft gibt, oder diese entzieht und ob ich sie ausübe, oder eine Alternative wähle. Das hat sich bei mir schon so automatisiert, dass ich es nicht als belastend wahrnehme. Ich kann nur die Dinge machen, die mir gut tun – wie es bei jedem anderen Menschen auch der Fall ist. Der eine kann vielleicht mehr erleben, weil er ein höheres Energiepotential hat – ja, aber dafür kann ich ganz wunderbar intensiv wahrnehmen. Und das allein, ja das genügt mir. Früher habe ich mich immer mit meinem Mann, der sehr wenig Schlaf benötigt verglichen und war richtig eifersüchtig, dass ich jeden Tag früh schlafen gehen „muss“ und er noch die halbe Nacht aufbleiben und seinen Interessen nachgehen kann. Heute denke ich nicht mehr so. Jeder ist wie er ist. Jeder ist auf seine Art besonders. Und ich bin mit meiner Art sehr zufrieden. Sie erfüllt mich!

Ich weiß seit 14 Jahren von meiner Hochsensibilität und vor etwa 10 Jahren habe ich mich intensiv mit ihr auseinandergesetzt, mein Leben meiner Feinfühligkeit entsprechend angepasst und viele Strategien entwickelt, wie ich in dieser, für hochsensible Menschen nicht unbedingt geeigneten Welt, gut leben kann.

Wenn du es nicht schon längst tust, dann möchte ich dich gerne dabei unterstützen, dass auch du diesen schönen Wesenszug an dir lieben lernen kannst. Oder, dass du ihn an deinem Kind lieben lernst. Ein Anfang könnte sein, dass du dir deiner hochsensiblen Seiten (der „positiven“ und „negativen“) oder der deines Kindes, bewusst wirst. Dazu habe ich einen Beobachtungsbogen erstellt, den du dir hier kostenfrei herunterladen kannst.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Entdecken/Bewusstwerden deiner Besonderheiten oder der deines Kindes!

Es folgt mehr 🙂