In diesem Beitrag soll es um den Umgang mit unangenehmen Gefühlen gehen. Wir kennen sie alle: Wut, Trauer, Angst, Hass, Scham… Sie sind nicht schön und meist wollen wir sie nicht haben. Doch unangenehme Gefühle gehören genauso zum Leben dazu, wie angenehme Emotionen.

Viele von uns haben sicher in ihrer Kindheit Worte gehört, wie: „Du brauchst doch keine Angst zu haben, Ungeheuer gibt es nicht!“, oder „Kannst du dich mal bitte zusammenreißen und aufhören hier so rumzuschreien? Sei doch nicht immer so wütend!“ oder „Du musst doch nicht traurig sein, deine Mama kommt doch gleich“.
Durch solche Aussagen lernen wir schon früh, dass unangenehme Emotionen unerwünscht sind und zusätzlich, dass das eigene Gefühl nicht stimmt. Wir fangen an die Gefühle zu unterdrücken, sie nicht zu zeigen oder dem eigenen Gefühl nicht mehr zu trauen.

Doch sind die Gefühle wirklich weg? Ist es nicht vielmehr so, dass sie uns im Laufe des Lebens immer häufiger und mächtiger über den Weg laufen? Oder/und sich in Form von Krankheiten zeigen? Als Antwort auf diese Fragen möchte ich dir gerne einen Auszug aus dem Buch „Das ABC der Gefühle“, von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer vorstellen. In diesem Buch sind die einzelnen Gefühle personifiziert worden und berichten aus ihrem Leben. Hier ein Ausschnitt aus dem „Leben“ des Gefühls Ärger:
 

Ich bin das Signal, das anzeigt, dass einem Menschen etwas nicht passt. […] Wenn der Mensch sich dann ärgert, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder nimmt er mich heimlich auf und versteckt mich vor der Umwelt. […] Schön ist das nicht für mich. Wer will schon versteckt und der Öffentlichkeit vorenthalten werden? Ich räche mich, indem ich mich einniste und diesen Menschen dauerhaft bewohne, vor allem seinen Magen und sein Herz. […] Die andere Möglichkeit ist, dass der Mensch mich zeigt. Damit wird er mich los. Job erfüllt, ab zum nächsten. […] Andere Menschen haben Angst, dass sie schief angesehen werden, wenn sie anderen gegenüber ihren Ärger zeigen. Dabei muss ich bei den Ärger-Schluckern und Ärger-Vermeidern immer wieder auftauchen, denn diese Leute werden von den anderen am meisten geärgert. […] Ganz schlechte Erfahrungen habe ich auch damit, dass ich geparkt werde. […] Ich versuche dann, den Menschen daran zu erinnern, dass es mich gibt und klopfe schmerzend an die Umgebung des Körperteils, wo ich geparkt bin. Manchmal hilft das, oft sind die Menschen aber zu begriffsstutzig und bekämpfen die Schmerzen lieber mit Tabletten, als mich, die eigentliche Ursache, zu befreien. Man braucht mich nur ernst zu nehmen und schon wird man mich los. (Baer, U., et al. (2017): Das ABC der Gefühle. Weinheim: Beltz-Verlag, S. 15f.)
 

Unangenehme Gefühle dürfen gefühlt werden – lebe sie aus!

Sei wütend, wenn du wütend bist, sei traurig, wenn du traurig bist.
Wenn du kannst, dann sprich mit den Menschen, die mit deinen Gefühlen zu tun haben - vielleicht gibt es etwas zu klären.
Wenn du das nicht kannst, oder es kein Gegenüber gibt, dann richte deine Aufmerksamkeit eine Weile nach innen - zu der dazugehörigen Körperempfindung.
Gib dem Gefühl die Erlaubnis da zu sein.
So hat es die Möglichkeit sich zu wandeln.
Hierzu folgt eine Übung (s.u.)
 

Ich weiß selbst, wie schwer es ist, denn auch ich habe in meiner Kindheit meine Gefühle nicht gänzlich ausgelebt und musste im Erwachsenenalter erst lernen, dass auch sogenannte „negative“ Gefühle einen Raum haben dürfen und sollten. Immer wiederkehrende heftige Gefühle waren bei mir eine starke Wut und ein dauerhaftes Gefühl von einem schlechten Gewissen.
 
 

Übung "Unangenehme Gefühle wandeln"

Ich möchte dir im Folgenden eine Möglichkeit beschreiben, wie du unangenehmen Gefühlen einen Raum geben kannst, ohne dass sie dich gänzlich übermannen.

  • Gibt es in deinem Leben ein Gefühl, welches sich immer wieder deutlich zeigt, wie es bei mir sehr lange Zeit die Wut war?
  • Fühle dich in eine konkrete Situation hinein, in der du dieses Gefühl stark gespürt hast.
  • Und nun spüre in deinen Körper hinein: Wo und wie zeigt sich dein Gefühl im Körper?
  • Ist es ein Stein in deiner Brust?
  • Ist es ein Ziehen im Magen?
  • Schnürt dir etwas die Kehle zu?
  • Nimm einfach nur wahr.
  • Und nun löse dich gedanklich von dem eigentlichen Thema.
  • Es spielt in dieser Übung keine Rolle, wie das Gefühl zustande kam.
  • Du brauchst auch keine Lösungen finden.
  • Du darfst das Thema einfach loslassen.
  • Bleibe eine Weile bei dem Körpergefühl.
  • Vielleicht kannst du ihm innerlich sagen: Schön, dass du da bist! Ich bin bereit dich wahrzunehmen!
  • Mit der Zeit wird sich das Körpergefühl verändern.
  • Nimm es einfach wahr.
  • Sei Beobachter und füge gedanklich nichts weiter hinzu.
  • Wenn du dich vom Denken nur schwer lösen kannst, dann lass die Gedanken fließen. Denke nicht bewusst weiter. Bleibe bei deiner Körperempfindung.
  • Und nun kannst du mit deinen Händen abwechselnd rechts und links auf deine Oberschenkel tappen.
  • Durch diese bilaterale Stimulation der beiden Gehirnhälften, unterstützt du die Verarbeitung des Gefühls. Es kann sich wandeln.
  • Bleib bei deiner Körperwahrnehmung.
  • Und tappe auf deine Oberschenkel.
  • Beende die Übung, wenn du dich danach fühlst.
  • Vielleicht hat sich die Körperempfindung in eine angenehme gewandelt? (etwa ein Gefühl der Stärke in der Brust, oder eine Leichtigkeit im Bauch)
  • Oder du musst gähnen, deutlich schlucken, weinen oder lachen?
    All dies sind Hinweise auf eine Entstressung.

In der folgenden Audiodatei leite ich dich zu dieser Übung an. Gleichzeitig lesen und fühlen ist ja manchmal schwierig 😉
 

Audiodatei: Unangenehme Gefühle wandeln
 

Du kannst die Übung immer wieder mit Anleitung, oder auch ohne durchführen. Mit der Zeit wird das Gefühl seltener zu dir kommen und dich nicht mehr so stark aus der Bahn werfen.

In einer konkreten emotionsgeladenen Situation kannst du auch die Worte nach innen schickst: "Du darfst da sein. Ich nehme dich eine Weile wahr."
Vielleicht magst du dann dazu tappen. Oder einfach nur wahrnehmen.

Es passt nicht immer, dass wir uns direkt unseren Gefühlen widmen. Wenn du z.B. an deiner Arbeit auf etwas oder irgend jemanden wütend bist, die Wut aber nicht direkt ausleben kannst, dann schicke vielleicht die Worte ins Innere, dass du dir später Zeit nimmst sie zu spüren - ihr Raum zu geben. Auf diese Weise wird sie nicht verdrängt.
 
Ich möchte dir hier noch eines von vielen Musikstücken mitgeben, die du dir anhören kannst, wenn du dich mit einem Gefühl beschäftigen möchtest. Die Musik enthält rechts-links-Impulse, die ebenso wie das Tapping auf die Oberschenkel, die Gehirnhälften dazu anregen das Erlebte zu verarbeiten. Die Methode stammt aus der Traumatherapiemethode EMDR. Die Vorgehensweise mit der Musik auf den Ohren ist die Gleiche, wie wenn du dich ohne Musik deinen unangenehmen Gefühlen widmest: Richte die Aufmerksamkeit nach innen und nimm wahr! (Damit die Impulse auch rechts und links ankommen, muss die Musik mit Kopfhörern gehört werden.)
 

Musik zur bilateralen Stimulation
 

Ich wünsche dir befreiende Erfahrungen!

Wenn du dich blockiert fühlst oder das Gefühl hast, dass du dich allein einem starken Gefühl nicht widmen kannst, dann melde dich gern bei mir. Ich leite dich in einer sehr sanften Methode dazu an, deinem Gefühl in einer positiven und heilenden Weise zu begegnen.
 

 

Dies ist einer der wöchentlichen Beiträge aus meinem Online-Kurs "Mehr Leichtigkeit und Kraft in deinem hochsensiblen Leben".